R-02 Copilot & Agents
Copilot kostet jetzt pro Aufgabe: FinOps für KI

Ende September hat Microsoft im Nachrichtencenter zwei Meldungen veröffentlicht, die mehr verändern als jede neue Funktion: MC1479276 zum Preismodell und MC1470425 zum Cost Management. Kurz gesagt: Copilot ist nicht mehr nur eine Lizenz pro Nutzer. Copilot wird ein Verbrauchsprodukt.
Zwei Ebenen: Lizenz und Credits
Die Logik ist einfach, die Folgen sind es nicht.
| Ebene | Was gehört dazu? | Abrechnung |
|---|---|---|
| Alltags-KI | Modellwahl und der Auto-Modus, der pro Anfrage Modell und Denkaufwand auswählt | In der Copilot-Lizenz (User Subscription License, USL) |
| Fortgeschrittene KI | Neue Frontier-Modelle, agentische Funktionen wie Cowork, Code und Autopilot, erweiterte Funktionen von Copilot in SharePoint und OneDrive | Usage-based Billing (UBB) mit Copilot Credits |
| Am Limit | Nutzer arbeiten mit Credits weiter, statt zu warten | Copilot Credits |
ℹ️ Wichtig
In bestehenden Tenants passiert nichts, solange kein Admin eine Spending Policy im Admin Center anlegt. Erst dann fließen Credits.
⚠️ Ausnahme Copilot Business
Bei neuen Käufen von Microsoft 365 Copilot Business ist Usage-based Billing seit dem 19. Oktober 2026 standardmäßig eingerichtet, inklusive einer Spending Policy mit voreingestellten Limits (MC1476200). Das gilt zunächst für Direktkäufe, über CSP folgt die Umstellung später. Gerade im Mittelstand heißt das: nach dem Kauf sofort Policy und Limits prüfen.
FinOps für KI: Was neu ist
Microsoft liefert gleich das Werkzeug mit, um diese Kosten zu steuern:
- Cost Management deckt jetzt Cowork, Work IQ APIs, Copilot Code, Copilot Managed Runtime und erweiterte SharePoint- und OneDrive-Arbeit ab.
- Spending Policies pro Gruppe: Du legst fest, welche Modelle und welches Effort-Level eine Gruppe nutzen darf, sogar welche Modelle der Auto-Modus in Cowork wählen darf.
- Consumption Dashboard in Insights: Es zeigt, wo und wofür Credits verbraucht werden. Damit wird aus „Was kostet das?“ die Frage „Was bringt das?“.
Das Septemberpaket im Cost Management
MC1470425 bringt die Details für den Betrieb:
- Auto-apply new services: Neue UBB-Dienste und Agenten fallen automatisch unter bestehende Policies. Standardmäßig an.
- Schwellenwert-Mails: Admins bekommen eine Warnung, bevor Nutzer ihr Limit erreichen.
- Mehr Leserechte: AI Reader, Global Reader und License Administrator sehen jetzt die Verbrauchs-Dashboards.
- Bessere Berichte: erweiterte Verbrauchsansichten für das Reporting.
- Genehmigungswege: Credit-Anfragen lassen sich an eigene Freigabe-Workflows leiten.
⚠️ Achtung Auto-apply
Das klingt komfortabel und ist es auch. Es heißt aber auch: Jeder neue kostenpflichtige Dienst, den Microsoft ausrollt, landet automatisch im Budget deiner bestehenden Policies. Prüf bewusst, wo du das willst.
Und die Nutzer?
Die neuen Funktionen wie Cowork, Code und Autopilot sehen Lizenznutzer auch dann, wenn für sie noch keine Policy greift. Was sie in diesem Fall angezeigt bekommen, steuerst du über die Discovery-Einstellung für UBB-Funktionen im Admin Center. Heißt: Die Nachfrage kommt, ob du willst oder nicht. Besser, du hast vorher einen Prozess.
Was bleibt
Microsoft ist hier transparent und liefert die Steuerung gleich mit. Das ist fair. Der blinde Fleck liegt bei uns: Viele Organisationen haben Copilot als Lizenzprojekt eingeführt, nicht als Betriebskostenthema. Das ändert sich jetzt.
☕ Espresso-Moment: Ein Espresso kostet pro Tasse, nicht pro Maschine. Copilot jetzt auch.
Das nimmst du mit
- Klären, wer im Unternehmen über Copilot-Budgets entscheidet
- Spending Policy für eine Pilotgruppe anlegen, nicht gleich für alle
- „Auto-apply new services“ in jeder Policy bewusst entscheiden
- Schwellenwert-Mails einrichten
- Discovery-Einstellung festlegen: Was sehen Nutzer ohne Policy?
- Bei Copilot Business: voreingestellte Policy und Limits direkt nach dem Kauf prüfen
- Consumption Dashboard regelmäßig mit dem Fachbereich anschauen
Message-Center-Meldungen: MC1479276, MC1470425, MC1479277, MC1476200
Wie gehst du das Thema in deinem Tenant an? Schreib mir auf LinkedIn, ich bin gespannt auf deine Erfahrungen.
